Samstag, 21. Januar 2012

Ein Blick hinter: Hyggelig

Nach längerer Zeit gibt es heute wieder einen Blick hinter ein Blog – und was für eines! Es ist wohl nicht vermessen zu behaupten, dass Hyggelig mittlerweile so etwas wie eine Institution ist. Seit 2008 schreibt Catherine Hug auf ihrem Blog über Wohnen, Einrichten und das Leben mit Kindern und überrascht mich dabei immer wieder mit so einfachen wie genialen DIY-Ideen. Ob Nähmaschine, Stricknadel oder Bohrmaschine – auf Hyggelig gibt es für jedes Werkzeug das passende Projekt. 

An dieser Stelle sei verraten, dass Catherines Blog wesentlich dazu beigetragen hat, dass ich (während meiner Elternzeit 2009) mit dem Bloggen begonnen habe. Umso mehr freue ich mich, dass sie uns heute Einblick gewährt. Vielen lieben Dank, Catherine! Und euch viel Spaß beim Lesen!
Der Schriftzug ist von Formulor, links unser Büro, rechts das Wohnzimmer - mehr dazu auf Hyggelig
Wieso "Hyggelig" (dän. - gemütlich)? 
Da gibt ziemlich viele Gründe auf einmal, weshalb ich bei der Namensfindung für den Blog auch nicht lange überlegen musste. Als erstes fällt mir da dieses wunderschöne, kleine weiße Haus an der Küste meiner dänischen Lieblingsinsel ein. Ein Holzhaus mit schönen Sprossenfenstern und einer kleinen Veranda. Wir hatten in meiner Kindheit dort jedes Jahr in der Nähe ein Ferienhaus gemietet und immer, wenn wir an diesem Haus vorbei fuhren, hab ich es bewundert und mir vorgestellt, darin später mal zu wohnen und dann jeden Morgen mit diesem wahnsinnigen Blick aufs Meer zu frühstücken. Das Haus heißt Hyggelig – die Dänen geben ihren Häusern ja gern Namen und bringen die dann als Schriftzüge an der Fassade an – eine nette Angewohnheit wie ich finde...

Die skandinavische Vorliebe ist geblieben: Ich fahre immer noch jedes Jahr im Sommer nach Skandinavien und ich bin ein großer Fan dänischen Designs. Und dann beschäftige ich mich ja auf meinem Blog vorrangig mit Dingen, die für mich der Inbegriff von Hyggelig sind – dem Wohnen oder es sich und der Familie gemütlich machen. Und zuletzt mag ich das Wort einfach und das bisschen Ähnlichkeit zu meinem Nachnamen – Hug...
Das etwas "andere" Skandinavien-Bild (der Fotograf hatte natürlich eine Tüte dabei) ;))
Du hast deine Magisterarbeit über Blogs geschrieben. Was hast du studiert? 
Nach ein paar Umwegen und einer Ausbildung zur Hotelfachfrau habe ich Publizistik- und Kommunikationswissenschaften und Germanistik an der FU in Berlin studiert.

Du bist "Bloggerin. Redakteurin. Texterin." Für welche Magazine und über welchen Themen schreibst du? 
Ich arbeite als freiberufliche Texterin und Redakteurin momentan vorwiegend im Bereich Unternehmens- und Markenkommunikation. Also wechselnde Themen, je nach Projekt und Kunde, aber zur Zeit thematisch ganz weit entfernt von Hyggelig.

Wie gelingt es dir, Beruf und Kind unter einen Hut zu bringen? Und was ist die größte Herausforderung/ das größte Problem dabei für dich? 
Es gelingt nicht mir allein und genau deswegen klappt es prima. Mein Mann ist wie ich freiberuflich tätig – unser gemeinsames Büro liegt neben unserem Wohnzimmer. Meine Tochter ist vier und geht halbtags in den Waldkindergarten – und die Nachmittage verbringt sie dann entweder mit mir, meinem Mann oder ist bei einer ihrer beiden Omas, die beide in der Nähe wohnen und sich gern um sie kümmern. Das erfordert eine Menge tägliche Organisation, ermöglicht uns vor allem aber viel Familienleben und viel Freiheit.
Mit Familie in Dänemark
Was macht dein Mann? 
Er arbeitet als Marketingberater.

Ist dein Mann an der Gestaltung eurer (so schönen) Wohnung beteiligt? Und wenn ja, wie?
Ich ergreife überwiegend die Initiative oder eben als Erste die Bohrmaschine, die meisten Veränderungen planen und entscheiden wir aber zusammen.
Das einzige Nähprojekt, dass ich bisher wirklich oft umgesetzt hab -
der Stoffkorb aus einem alten Bundeswehr-Seesack.
Du kannst wunderbar nähen und bist auch handwerklich sehr begabt. Wie und wo hast du es gelernt? 
Nichts davon habe "gelernt", sondern immer nur so lange probiert, bis es ging – oder eben nicht. Ich musste schon immer um mich herum alles "verschönern" und meine Eltern haben mir in meinem Zimmer komplett freie Hand gelassen. Was dann unter Anderem zu gelben Heizkörpern, einem selbst gebauten Einbau-Kleiderschschrank und in wilden Mustern lackierten Möbel geführt hat.

Eigentlich ist meine Herangehensweise aber immer die Gleiche: Ich habe ein Ergebnis im Kopf und überlege, wie ich das am besten erreiche. Früher hab ich gleich losgelegt und erst beim Sägen gemerkt, dass irgendwas fehlt oder das Werkzeug nicht das richtige war – oder ich meine handwerklichen Fähigkeiten schlicht und ergreifend überschätzt hab. Dann war der Einbauschrank eben ein bisschen schief und der Lack auf dem Heizkörper nicht perfekt, aber da kann ich bis einem gewissen Grad gut drüber hinweg sehen. Jedenfalls habe ich durch das "einfach Machen" eine Menge gelernt und kann meine Fähigkeiten und Mittel mittlerweile wesentlich realistischer einschätzen.

Mit dem Nähen war es genauso. Ich hatte 6 alte Stühle, sehr bequem, aber optisch eher was für den Sperrmüll und eine geschenkte Nähmaschine vom Discounter. Also hab ich mich an 6 Hussen versucht. Und die erste war krumm und schief, die sechste sah aber dann schon ein bisschen so aus, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ausserdem nähe ich selten mehrmals hintereinander das Gleiche, so dass ich eigentlich ständig dazu lerne und besser werde.
Catherines erstes selbstgestricktes Teil.
Was sind deine nächsten Projekte und Pläne? 
Aktuell bringe ich mir gerade Stricken bei. Ein Youtube-Video für das Muster, eines für Randmaschen reichte für den ersten Schal. Die Mütze dazu hab ich dann aber ganze 8 Mal wieder aufgetrennt, bis sie annähernd so aussah, wie ich es wollte – ich mag nämlich auch keine Anleitungen, geschweige denn Schnitt- oder Strickmuster, ich versuch es einfach lieber erstmal ohne...

Ihr liebäugelt mit einem "alten Wohnwagen". Was sind eure Ideen und Pläne damit? 
Tatsächlich haben wir mittlerweile einen gefunden und gekauft und wir sind schon alle ganz aufgeregt, das Teil endlich abzuholen! Ein Knaus Passat aus den 70er Jahren – das wird dann das nächste große Projekt und das Frühjahr ist schon komplett verplant mit der neuen Innenausstattung – da kann ich mich noch ein bisschen austoben, bevor wir im Sommer damit los wollen. Neue Polster, Gardinen, der Fußboden, die Wände...und dann geht es bestimmt wieder Richtung Norden.
Das neue Projekt: Der Wohnwagen!
Ihr wohnt in Berlin-Waidmannslust. Was hat euch dorthin "verschlagen"? 
Es hat uns nicht so richtig verschlagen, sondern eher nach vielen Umzügen (11 Stück in 10 Jahren) und diversen Wohnungen in diversen Innenstadtbezirken Berlins wieder Richtung Heimat gezogen, denn wir sind beide hier groß geworden. Und als wir durch Zufall unsere jetzige Wohnung gefunden haben, haben wir nicht lange überlegt. Altbau mit einem großen Garten, viel Grün drum herum und das Ganze auch noch genau zwischen beiden Omas – da passte einfach alles.

Was sind deine Lieblingsorte in und um Waidmannslust? 
In der sehr nahen Umgebung gibt es eine Bäckerei mit wahnsinnig leckeren Croissants und Baumkuchen, da führt praktisch jede zweite Runde mit unserem Hund Finn vorbei. Und es gibt das Fließtal – ein großes Naturschutzgebiet, das ein Stück die Straße runter beginnt und das direkt in den Berliner Forst übergeht. Dort habe ich als Kind sehr viel Zeit verbracht und heute führt meine Jogging-Runde mit Finn mitten durch.
Links: Unser Tipi aus einem Bettbezug - ein Projekt für die Nido - bei uns viel in Gebrauch.
Rechts: Ein guter Ort für Kinder und Hund - das Fließtal bei uns um die Ecke.
Würdest du Waidmannslust als Wohnort empfehlen und wenn ja, warum? 
Das kommt immer darauf an, was man zum Leben braucht. Zu diesem Zeitpunkt gibt es für uns jedenfalls keinen besseren Ort. Waidmannslust ist unaufgeregt, für Berlin fast ein bisschen verschlafen, das Gegenteil von hipp – dafür sehr grün mit viel Wasser – und nicht nur für Kinder und Hunde ein ziemlich entspannter Ort zum Leben und Arbeiten. Und wenn uns die Hektik oder unser Lieblingscafé mal fehlt, sind es auch nur 20 Minuten und schon ist man in irgendeinem Innenstadtbezirk Berlins.

Kommentare :

  1. Danke für deine schnelle Antwort;-)
    Ich freue mich, wenn es irgendwann zu verkaufen ist, ich habe mich nämlich verliebt;-) in dein Mobile´!

    HerzLichsT
    Svenja

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  2. Vielen Dank für Deine schöne Blogvorstellung. Catherines tolle Ideen begeistern mich auch immer wieder. Freu mich schon über Deinen Köln-Bericht. Liebe Grüße, Viola

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  3. Ich wollte schon immer mehr über Hyggelig wissen, vielen Dank für dieses tolle Interview Indre und dir noch einen gemütlichen Sonntag! PS: Ich mag auch keine Anleitungen und möchte am liebsten auch immer gleich loslegen, hihi ...

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  4. Ich habe Deinen tollen Blog gerade entdeckt und mich gleich als Leser eingetragen. Freue mich darauf mehr von Dir zu lesen.

    VLG Ilka

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  5. tolle fragen, tolle antworten. ein interessanter blick hinter die kulissen. bin schon gespannt auf die nächste. lese immer wieder gene. liebe grüße, éva

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  6. Vielen Dank für den sympathischen Einblick! Ich lese auch von Anfang an mit und bin schon gespannt auf die Verwandlung des Wohnwagens! Gruß von Sabine

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  7. Ein sehr schönes Interview einer sehr sympathischen Dame. Ich verfolge den Blog auch seit einiger Zeit sehr aufmerksam. Hut ab bei der täglichen Organisation.

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