Nun ist es soweit: Schöneberg avanciert zum neuen In-Bezirk.
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Das neue Schöneberg", titelt aktuell der
tip, "Zwischen Gleisdreieck und Gasometer tut sich was". Vorbei ist´s nun wohl mit dem entspannten Leben jenseits der Epizentren Kreuzberg, Mitte, Prenzlauer Berg.
Die internationalen Galeristen sind schon da – zwischen türkischen Gemüsehändlern, exzessivem Straßenstrich und bis eben noch versteckten Wohnoasen. Mit ihnen steigen die Mieten in rasantem Tempo, verändert sich das Straßenbild und der Straßenklang: sämtliche Häuser sind eingerüstet, um ästhetisch aufgerüstet zu werden. Zu den Bürgern, Schwulen und "Migranten" gesellen sich neue Typen. Armut mischt sich mit Reichtum, Coolness mit Schick. Neben Türkisch, Arabisch und Englisch dringen immer mehr spanische, französische, italienische Wortfetzen durch. Neue Läden eröffnen für neue Kunden, alte Läden schließen und mit ihnen gehen manche Alteingesessenen.
Es rumort im Bezirk. Er verändert sich. Und ich bin gespalten.
Ich liebe die Übergangsphase, wenn die alten und die neuen Welten teils neben-, teils eng umschlungen miteinander existieren. Wenn die Dönerbude und die Top-Galerie friedlich koexistieren und bestenfalls voneinander profitieren: Die eine von besser betuchten Kunden, die andere von der Exotik.
Aber diese Interimsphase hält selten länger an. Ihre inspirierenden Widersprüche, schrillen Übergänge und provozierenden Leerstellen gehen allzu schnell im Einheitsbrei auf. Das zeigen die Geschichten von Mitte und Prenzlauer Berg, auch von Kreuzberg, Friedrichshain und stellenweise von Neukölln (Stichwort: "Kreuzkölln"). Sicher: Es ist auch meine Angst, die mich mit Skepsis auf die aktuellen Entwicklungen blicken lässt. Die Angst, den Veränderungen nicht gewachsen zu sein, vor allem finanziell. Doch das ist nicht der alleinige Grund. Die Vielfalt geht dabei meist verloren. Und damit (m)eine wichtige Inspirationsquelle und Lebensqualität.
Schöneberg goes hip and I am worried about the diversity and creativity of "my" quarter.