Freitag, 17. April 2015

KW 16 #Wortlisten. Oder dem eigenen Können niemals trauen

Collage: 'Schlafender Mann' (c) Ieva Jansone
'Unter all den beeindruckenden Texten von Susan Sontag sind es diese kleinen Listen, die mich besonders berühren. ... Als ob sie Angst hätte, ohne fleißiges Üben könnte der Quell der Worte versiegen, als würde mit der Zeit nur noch ein kümmerliches Quantum an Begriffen übrig bleiben. ... 

Sie erzählen von der Tugend des Lernens, die damit beginnt, sich des bereits Gelernten niemals sicher zu fühlen. Ganz gleich wie erfahren oder erfolgreich, der eigenen Technik oder Routine ist nicht zu trauen. Jede Tätigkeit, jede Praxis wird so auf die Probe gestellt. ... 'Der Klang ist weg. Man muss ihn immer wieder neu erfinden.' (Daniel Barenboim). ... 

Aber die Wortlisten Susan Sontags verweisen auch noch auf etwas anderes: die welterschließende Funktion der Sprache.' 

aus: Wortschatz von Carolin Emcke

Dienstag, 14. April 2015

Schön und gesund wohnen: NATUREHOME

Natürlich schön wohnen – das ist der Grundgedanke von NATUREHOME. Das junge Unternehmen mit Sitz in Potsdam und Althütte (BaWü) vertreibt selbstentworfene Möbel und Wohnaccessoires aus konsequent nachhaltiger Fertigung. Das gefällt mir. Wie auch das schlichte Design. Umso mehr freue ich, den 'Markenhersteller für ökologisches Wohndesign' als neuen Partner fürs 'Züglen' [schweizerdeutsch: umziehen] an meiner Seite zu haben.

Im Interview erzählt Geschäftsführer Kurt-Georg Pfleiderer wann, wie und warum er auf die Gründungsidee kam, was ihn antreibt und wo er hinwill. Außerdem geht es um die Frage, wie Nachhaltigkeit und Design zusammengehen und was das für die Designer/innen bedeutet, die mit und für NATUREHOME arbeiten.

Ich bedanke mich für das schöne Gespräch und wünsche allen eine inspirierte Lektüre und viel Spaß beim Stöbern.

Montag, 13. April 2015

Ein Blick hinter Krachbumm


Neue Woche, neuer Blick. Dieses Motto gilt heute einmal mehr. Denn Katja bringt zumindest meine 'wohlsortierte Wirklichkeit' mit ihrer Sicht der Dinge ganz schön durcheinander. KRACHBUMM! So lautet der Name ihres Blogs – und er dürfte Programm sein. Die einfache Mutter und 31jährige Erziehungs- und Bildungswissenschaftlerin aus Graz schreibt über Dinge, die ich bisher selten nebeneinander und noch weniger zusammen gedacht habe: etwa Mutterschaft und Pornografie, Haushaltspflichten und Frauenrechte, Fenchelrezepte und Sexspielzeug zum Selbermachen. Im heutigen Montagsinterview erklärt sie, wie das zusammenpasst. Außerdem erzählt sie, wie sie zur Feministin wurde, was sie unter 'Mann' und 'Frau' versteht und wie die 'perfekte Welt' für sie aussähe. Anders. Das ist mal klar. Und niemand müsste mehr den Bauch einziehen.

In diesem Sinne eine entspannten Start in die neue Woche. Und danke, liebe Katja, fürs Schocklüften im Oberstübchen.
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Foto: Katja Grach

Freitag, 10. April 2015

KW 15 #Angeflanscht. Oder 'Malen nach Zahlen' ist nicht kreativ

Kreativität ist ein individuelles Produktionsnetzwerk, sagt Stephan Porombka. Foto: Im Studio des Berliner Stadtfotografen André Kirchner
'Be creative!' Das sei, so erklärte der Kultursoziologe Andreas Reckwitz in seinem 2012 erschienen Buch zur Erfindung der Kreativität, der kategorische Imperativ unserer Zeit. Heute – so meine Wahrnehmung – hat sich die Lage etwas beruhigt. Kreativ-sein ist zwar noch hipp, aber der Wunsch, nicht kreativ sein wollen, sprengt nicht mehr die Grenzen des Verstehbaren (Reckwitz, S. 9). Das ist gut. Denn Kreativität macht sich denkbar schlecht als Selbstoptimierungsziel. Nicht jede/r kann und will schöpferisch Neues hervorbringen. Der eine baut lieber Muskelmasse als Eigenheime auf, die andere genießt lieber Kunst als sie zu erschaffen.

Das Abklingen des 'kreativen Hypes' ist allerdings nicht das Ende vom 'kreativen Missverständnis'. Das erlebe in meinem Beruf tagtäglich aufs Neue. Der Ruf nach Kreativität erschallt immer dann, wenn die anderen ihr Werk vollendet haben: Ist die Lage sondiert, das Ziel definiert und der Weg skizziert, heißt's: 'Nun denk dir mal ein paar schöne Maßnahmen aus. 'Ne nette Veranstaltung, 'nen innovatives Webformat oder 'ne hübsche Broschüre.' Ich könnte jedes Mal wahlweise heulen, schreien oder kotzen. Das hat nämlich mit Kreativität so viel zu tun wie 'Malen nach Zahlen' mit Kunst – und sieht im Ergebnis auch keinen Deut besser aus. Angeflanscht bleibt angeflanscht.

Gute Ergebnisse entstehen dort, wo die 'Kreativen' von Anbeginn mitdenken. Niemand macht das besser vor als der große – in anderer Hinsicht sicher weniger vorbildliche – kalifornische Hard- und Softwareentwickler. Hier arbeiten Programmierer/innen, Marketingexpert/innen, Interfacedesigner/innen, Psycholog/innen und andere Querdenker/innen von Anfang an zusammen. Das Ergebnis sind 'mobile Endgeräte', die intuitiv, schön, State of the Art und entsprechend begehrt sind. Warum arbeiten nicht alle so? Das frage ich mich immer wieder.

Vielleicht weil's ein Umdenken und eine große Offenheit erfordert. Kreative ticken anders. Sie lassen sich weniger von einem vorab definierten Ergebnisziel als vielmehr vom 'Material' leiten, von all dem, was sie um sich herum vorfinden. Der 'Twitterprofessor' Stephan Porombka hat das in seiner 'Ökologie der Kreativität' sinngemäß mal so formuliert: 'Kreativität ist ein individuelles Produktionsnetzwerk, in dem jeder Zwischenschritt, jede noch so kleine Aktivität, jede Notiz oder winzige Idee wichtig sind. Wer Kreativität nur vom Ergebnis her denkt, kann nicht kreativ sein und nicht einmal mehr das kreative Scheitern produktiv wenden.' Das ist für uns ergebnisorientierte, in Projektstrukturplänen denkende Kopf- und Handarbeiter/innen eine ziemlich ungewohnte Arbeitsweise. Aber darum ist sie nicht falsch und das Ergebnis nicht schlechter. Es mag am Ende ein anderes sein als zu Anfang gedacht – doch im Zweifel ist es sogar besser: Apple ist kreativ beim Smartphone gelandet, Nokia ergebnisorientiert mit dem Mobiltelefon gestrandet.

In diesem Sinne ein kreatives Wochenende!

Dienstag, 7. April 2015

M i MA zügelt: Aussichten

Der Umzug naht. Das Chaos wird von Tag zu Tag größer. Doch die Aussicht auf die neue Aussicht macht einiges wett.

Freitag, 3. April 2015

Neues im M i MA-Markt


Allerlei neue Dinge im M i MAMARKT: Diverse Fisher Price-Spielzeuge aus den 1960er und 70er Jahren, Wohnmagazine, Lampen, Möbel und mehr suchen neue Besitzer/innen.

Donnerstag, 2. April 2015

KW 14 #AprilApril


Der März liegt nun hinter uns. Er stürmte – im wahrsten Sinne – davon und hinterließ so einige Schäden. Nun also April. Ich hoffe, er scherzt nicht allzu sehr mit mir und lässt seine Launen nur am Wetter aus. Viel mehr Aufs und Abs als einen Umzug vom 4. in den 4. Stock mag ich grad nicht.

In diesem Sinne: Sturmfreie Ostern!

Dienstag, 31. März 2015

M i MA zügelt: Vom Lichten und Leeren und der neuen Lust am Finden

Die Regale und Schränke haben sich gelichtet, die Krusch- und Kramecken geleert. Viele Dinge haben neue Besitzer/innen gefunden. Manches wird in Rauch aufgehen und anderes neu verwertet. Mit dem Lichten und Leeren der alten Wohnung kommt nach langer Zeit die Lust aufs Stöbern und Entdecken wieder auf. Meine erste Entdeckungstour stand im Zeichen des Bads. Das Neue ist – habe ich es eigentlich mal erwähnt? – bis unter die Decke in Dunkelgrau gehalten. Darum hab' ich nach Dingen gesucht, die etwas Licht und Leichtigkeit bringen. Hier meine Fundstücke:



Die Sitzbank aus unbehandeltem Eichenholz ist zugleich Sitz- und Ablageplatz und bringt 'natürliche Wärme' in dunkle Grau. Die Handtücher – am liebsten aus Leinen – hängen über GRU, dem beweglichen Tuchständer. Spiegel Flip hilft beim 'Malen auf schwierigen Grund' (Schminken) und die Marmordosen 'schlucken' manches Malutensil. Ja, so könnt's was werden. Ob's so wird – wir werden sehen.

Freitag, 27. März 2015

KW 13 #BerlinerFreiheit



'Ich bin nicht genügsam,
will jeden Tag
das Einzige und Letzte.'
Annemarie Schwarzenbach

Es gibt Menschen, die eine Faszination auf mich ausüben, die über das normale Maß hinausgeht. Sie ziehen mich sprichwörtlich in ihren Bann. Annemarie Schwarzenbach (*1908; †1942) ist so ein Mensch.

Das kurze Leben der Reisejournalistin, Schriftstellerin und Fotografin reicht eigentlich für drei. Aufgewachsen in einer der reichsten Schweizer Industriellen-Familien unter der strengen Regentschaft einer von der Pferdezucht inspirierten Mutter promoviert die leidenschaftliche Klavierspielerin und Tänzerin 23jährig und bringt im gleichen Jahr ihren Debütroman heraus. Die Nähe zu ihren Freunden Erika und Klaus Mann suchend, übersiedelt sie – ebenfalls 1931 – ins 'große und dreckbespritzte Berlin'. Dort führt sie, was man ein 'unstetes Leben' nennt: ist Stammgast in Lesbenkneipen und Transvestitenclubs, trinkt viel, schläft wenig. Als das wilde Berliner Leben mit der Machtübernahme der Nazis wenig später ein jähes Ende findet, engagiert sich Annemarie Schwarzenbach im antifaschistischen Widerstand – und nimmt den Bruch mit ihrer erzkonservativen Familie und hitlerverehrenden Mutter bewusst in Kauf.

1933 reist sie erstmals nach Persien, das sie fortan nicht mehr loslassen wird – wie das Reisen überhaupt. Es ist – neben dem Schreiben und dem Morphium – eine ihrer Süchte, von denen sie zeit ihres Leben nicht mehr loskommen wird. In nicht weniger als zehn Jahren veröffentlicht sie rund dreihundert Reportagen aus vier Kontinenten und es wären sicher noch viele hunderte mehr geworden, wäre Annemarie Schwarzenbach nicht 1942 an den Folgen eines fehldiagnostizierten Fahrradunfalls gestorben. – Ein kurzes, dichtes Leben. Ein Mensch der Extreme, der bis heute Frauen wie Männer fasziniert und inspiriert – jüngst unter anderem Rodolfo Paglialunga, dem die androgyne Schönheit für die diesjährige Sommerkollektion von Jil Sander Pate stand.

In diesem Sinne ein inspiriertes Wochenende mit dem üblichen GeLISTEten.

Dienstag, 24. März 2015

M i MA zügelt: Runde Bilder und eckige Möbel. Oder wie sich Möbelbau, Unternehmertum und Kunst zueinander verhalten.

stocubo als Highboard
Heute in vier Wochen werden die Kartons gepackt. Morgen in vier Wochen bin ich 'Neu-Friedrichshainerin', wie Konstantin die Zugezogenen in seinem Kiez bezeichnet. 'Mann, Mann, Mann', würde Rico jetzt sagen, mein heimlicher Held, mit dem ich eine Sorge teile: dass nämlich bingokugelgleich etwas aus meinem Kopf herausfallen könnte. Zum Beispiel Termine. Derer gibt es derzeit in Hülle und Fülle. Umzugs-, Einbau- und Abnahmetermine, Ummelde-, Anmelde-, Liefer- und Vor-Ort-Termine. Womit ich – zugegeben etwas umständlich – beim Thema wäre: stocubo.

Das Regalunternehmen aus dem Berliner Wedding ist nicht nur mein Kooperationspartner in Sachen 'M i MA zügelt', sondern auch unsere Flurlösung. Ihr erinnert euch vielleicht: Unser Flur ist lang. Sehr lang. Und nachdem wir diverse Gestaltungsideen durchgespielt haben, sind wir schlussendlich bei dem 'modularen Regalsystem aus Berlin' gelandet. Es soll unseren rund zehn Meter langen Flur optisch strukturieren und die rund 2.000 Bücher fassen, die wir nicht aussortiert haben. Der Liefertermin steht. Das Regal hingegen noch nicht. Und darum gibt es heute – statt Flurbildern – ein Interview mit dem so sympathischen wie inspirierenden stocubo-Erfinder, Gründer und Künstler Stefan Oberhofer zum Verhältnis von Möbelbau, Unternehmertum und Kunst. Viel Spaß beim Lesen! 
 
Links der Künster, rechts der Unternehmer Stefan Oberhofer