Freitag, 27. März 2015

KW 13 #BerlinerFreiheit



'Ich bin nicht genügsam,
will jeden Tag
das Einzige und Letzte.'
Annemarie Schwarzenbach

Es gibt Menschen, die eine Faszination auf mich ausüben, die über das normale Maß hinausgeht. Sie ziehen mich sprichwörtlich in ihren Bann. Annemarie Schwarzenbach (*1908; †1942) ist so ein Mensch.

Das kurze Leben der Reisejournalistin, Schriftstellerin und Fotografin reicht eigentlich für drei. Aufgewachsen in einer der reichsten Schweizer Industriellen-Familien unter der strengen Regentschaft einer von der Pferdezucht inspirierten Mutter promoviert die leidenschaftliche Klavierspielerin und Tänzerin 23jährig und bringt im gleichen Jahr ihren Debütroman heraus. Die Nähe zu ihren Freunden Erika und Klaus Mann suchend, übersiedelt sie – ebenfalls 1931 – ins 'große und dreckbespritzte Berlin'. Dort führt sie, was man ein 'unstetes Leben' nennt: ist Stammgast in Lesbenkneipen und Transvestitenclubs, trinkt viel, schläft wenig. Als das wilde Berliner Leben mit der Machtübernahme der Nazis wenig später ein jähes Ende findet, engagiert sich Annemarie Schwarzenbach im antifaschistischen Widerstand – und nimmt den Bruch mit ihrer erzkonservativen Familie und hitlerverehrenden Mutter bewusst in Kauf.

1933 reist sie erstmals nach Persien, das sie fortan nicht mehr loslassen wird – wie das Reisen überhaupt. Es ist – neben dem Schreiben und dem Morphium – eine ihrer Süchte, von denen sie zeit ihres Leben nicht mehr loskommen wird. In nicht weniger als zehn Jahren veröffentlicht sie rund dreihundert Reportagen aus vier Kontinenten und es wären sicher noch viele hunderte mehr geworden, wäre Annemarie Schwarzenbach nicht 1942 an den Folgen eines fehldiagnostizierten Fahrradunfalls gestorben. – Ein kurzes, dichtes Leben. Ein Mensch der Extreme, der bis heute Frauen wie Männer fasziniert und inspiriert – jüngst unter anderem Rodolfo Paglialunga, dem die androgyne Schönheit für die diesjährige Sommerkollektion von Jil Sander Pate stand.

In diesem Sinne ein inspiriertes Wochenende mit dem üblichen GeLISTEten.

Dienstag, 24. März 2015

M i MA zügelt: Runde Bilder und eckige Möbel. Oder wie sich Möbelbau, Unternehmertum und Kunst zueinander verhalten.

stocubo als Highboard
Heute in vier Wochen werden die Kartons gepackt. Morgen in vier Wochen bin ich 'Neu-Friedrichshainerin', wie Konstantin die Zugezogenen in seinem Kiez bezeichnet. 'Mann, Mann, Mann', würde Rico jetzt sagen, mein heimlicher Held, mit dem ich eine Sorge teile: dass nämlich bingokugelgleich etwas aus meinem Kopf herausfallen könnte. Zum Beispiel Termine. Derer gibt es derzeit in Hülle und Fülle. Umzugs-, Einbau- und Abnahmetermine, Ummelde-, Anmelde-, Liefer- und Vor-Ort-Termine. Womit ich – zugegeben etwas umständlich – beim Thema wäre: stocubo.

Das Regalunternehmen aus dem Berliner Wedding ist nicht nur mein Kooperationspartner in Sachen 'M i MA zügelt', sondern auch unsere Flurlösung. Ihr erinnert euch vielleicht: Unser Flur ist lang. Sehr lang. Und nachdem wir diverse Gestaltungsideen durchgespielt haben, sind wir schlussendlich bei dem 'modularen Regalsystem aus Berlin' gelandet. Es soll unseren rund zehn Meter langen Flur optisch strukturieren und die rund 2.000 Bücher fassen, die wir nicht aussortiert haben. Der Liefertermin steht. Das Regal hingegen noch nicht. Und darum gibt es heute – statt Flurbildern – ein Interview mit dem so sympathischen wie inspirierenden stocubo-Erfinder, Gründer und Künstler Stefan Oberhofer zum Verhältnis von Möbelbau, Unternehmertum und Kunst. Viel Spaß beim Lesen! 
 
Links der Künster, rechts der Unternehmer Stefan Oberhofer

Montag, 23. März 2015

Ein Blick hinter Große Köpfe

Das allmähliche Verschwinden der freien Sicht.
Wenn wir wollten, könnten wir bald ein Dosentelefon über die Straße legen und die hier begonnene Unterhaltung von Balkon zu Balkon fortsetzen. Denn in wenigen Wochen ist es soweit: M i MA und die Großen Köpfe werden Nachbarn. Der Zufall wollte es, dass 'unser' Neubau direkt vor ihre Nase ge- und ihr schöner Silvester- durch einen 'Silberblick' ersetzt wurde. Er wollte außerdem, dass wir uns vorher schon begegnen. Im Leben 3.0. Und das kam so. 

Der Weg von Schöneberg nach Friedrichshain ist weit und ein Baustellenbesuch damit jedes Mal eine kleine Reise. Darum suchten wir nach einer anderen Möglichkeit, den Baufortschritt zu verfolgen und landeten bei Herrn Lichtfix, der das allmähliche Verschwinden seiner freien Sicht fotodokumentierte. Die erste 'Nahbegegnung' fand im Herbst 2013 statt. Ein befreundeter Künstler erzählte uns von seinem jüngsten Projekt und erwähnte beiläufig, dass ihm dabei ein angehender Kunsthistoriker zur Seite stehe. Dass es sich dabei um eben jenen Herr Lichtfix handelte, lag schnell auf der Hand. Wenig später fanden wir dann heraus, dass der '34jährige verheiratete Vater, der was macht mit Kunst macht', einer der vier 'Großen Köpfe' ist. 

Der Rest ist schnell erzählt: Wir begannen von- und übereinander zu lesen, kommentierten hier und dort und landeten schließlich beim heutigen Montagsinterview. Darin geht es ums frühe Kinderkriegen, die Unvereinbarkeit von Beruf und Familie und die Frage, wie der radikale Wandel eines Kiezes durch die Augen seiner Bewohner/innen aussieht. 

Habt vielen lieben Dank, Anne und Konstantin, fürs Antworten und Einblickgeben und Horizonterweitern. Daran dass andere durch unsere Wohnung Risse in der Wand haben könnten, habe ich bisher nicht gedacht. Ebensowenig wie ich mir vorstellen konnte, wie monatelange Bauarbeiten den Alltag dominieren. Ich hoffe sehr, dass jetzt – da die Häuser fertig sind und das große Trockenwohnen beginnt – vieles wieder einfacher und manches sogar besser wird. In diesem Sinne in einen guten Start in die letzte Märzwoche.

Freitag, 20. März 2015

KW 12 #sacht

Das Wort fiel mir buchstäblich aus dem Mund in die Hand: sacht. Da lag es. Ganz klein und zart und hübsch und nicht weniger überrascht als ich. Wo kam es nur her? Alle möglichen Worte hatte ich im Kopf gedreht, gewendet und gedacht. Aber dieses war ganz sicher nicht darunter. Es musste sich schmetterlingsgleich seinen Weg durch die turmhohen Gewitterworte, die tiefen Schicht- und Haufenworte gebahnt haben und mit dem nächsten Gedankensturm ins Freie gepustet worden sein. Direkt in meine Hand.

Ein feines kleines Wort.  Ich hab es mir ins Ohr gesetzt gleich neben den Floh. Auf dass es mich ein Stück begleitet beim weiteren Denken und Tun.  

sacht [Adjektiv]
(a) mit wenig Kraft, ohne Gewalt [erfolgend], sanft; behutsam, vorsichtig
(b) wenig ausgeprägt, kaum merklich; sanft

In diesem Sinne: Kommt sacht durchs Wochenende* – mit oder ohne die Fundstücke aus der vergangenen Woche:
*Danke, Tine, für die hübsche Wortwendung.

Dienstag, 17. März 2015

Ein Blick hinter 'Werden und Sein'

Vor einiger Zeit habe ich hier ein paar meiner 'Pop'-Heldinnen vorgestellt. Seither gehe ich mit der Idee schwanger, eine 'Liste' meiner 'Alltags-Heldinnen' zu veröffentlichen. Sollte ich das je in die Tat umsetzen, wird Tina auf jeden Fall dabei sein. Ich kenne nicht viele Menschen, die mit ihrem – alles andere als komfortablem – 'Schicksal' einen so versöhnlichen Umgang gefunden haben wie sie. Dabei hätte, wer ohne Vater mit einer quartalssüchtigen Mutter aufgewachsen ist und sie aus guten Gründen schließlich verlassen hat, allen Grund zum Hadern und Greinen. Doch davon ist Tina weit entfernt. Aus ihren Worten klingt eher so etwas wie Überrascht-sein heraus – überrascht darüber, wie das Leben so spielt und einem mitspielt und am Ende doch immer eine Blackbox bleibt: Egal was man vorne hineintut, man weiß einfach nicht, wie's hinten rauskommt.

In unserem Montags-Dienstagsinterview geht es um Kindsein und Kinderhaben, um Elternschaft und Familienmodelle, um Rollen und das Ringen um den besten Weg unter den gegebenen Bedingungen.

Vielen, vielen Dank, liebe Tina, für die offenen Antworten, mit denen ich allen – zwar verspätet, aber umso mehr – einen guten Start in die neue Woche wünsche.
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Foto: Tina | Werden und Sein


Du hast – von Außen betrachtet – eine ziemlich turbulente Kindheit gehabt. Aufgewachsen bei einer alleinerziehenden Mutter mit Alkoholproblem, kamst du fünfjährig zu Pflegeeltern. Kannst du dich erinnern, wie du deine frühe Kindheit als Kind wahrgenommen hast? (Zum Verständnis: Kinder nehmen die Welt – und sei sie noch so verrückt aus Erwachsenenperspektive – oftmals einfach als gegeben hin. Und ich frage mich, wie sich das "anfühlt".)
Tatsächlich nahm ich meine Kindheit als gegeben hin – die Bewertung folgte erst viel später. Ich kann mich nicht erinnern, als Kind bei meiner Mutter unglücklich gewesen zu sein. Ich habe meine Mutter sehr geliebt, selbst in den Gerichtsakten stand, dass wir eine gute Bindung zueinander hatten. Ich verbrachte sehr viel Zeit draußen, wir hatten da eine kleine Kinder-Clique. Heute kaum auszudenken, dass Vier- oder Fünfjährige alleine draußen rumfetzen. Ich war viel auf dem angrenzenden großen Spielplatz und ging sowohl alleine zu meinem Sandkastenfreund, der drei Straßen weiter wohnte, als auch zum wesentlich weiter gelegenen Kindergarten. Zudem kaufte ich den Alkohol für meine Mutter im kaum entfernten Kiosk.

Wieder kaum vorstellbar, für mich war es normal. Schmerzhaft war dann der Moment der Trennung, den ich mehrfach erlebte, bewusst das erste Mal, als sie während einer meiner Einkaufstouren zusammenbrach und mich nicht mehr einließ, dann als ich nach 9 Monaten Pflegefamilie zu ihr zurückkehrte und keine zwei Monate später vom Jugendamt inklusive Polizei aus der Wohnung geholt wurde. Das war bereits als Kind sehr unschön.
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Freitag, 13. März 2015

KW 11 #WolfimSchafspelz. Oder tanz die Inklusion

Nein. Der Eurovision Song Contest trifft nicht meinen Geschmack. Weder musikalisch noch ästhetisch. Die Songs klingen überwiegend nach schnellmontierter Modulmusik, allein darauf bedacht, ja nicht die vorherrschende Hörgewohnheit zu verletzten. Ein Motto, dem auch das Veranstaltungsdesign geschuldet ist. Muss ja Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher gefallen, den zwei ergrauten Protagonisten der Markt- und Meinungsforschung. Und trotzdem oder gerade deshalb hat das Großereignis der Europäischen Rundfunkunion etwas Großartiges.

Hinterrücks hat sich der vordergründig brave Liederwettbewerb zu einer subversiven Plattform entwickelt, auf der das europäische Selbstverständnis neu verhandelt wird. Mit dem Gewinn der israelischen Transgender-Künstlerin Dana International im Jahr 1998 machte der ESC die bis dato randständige Genderfrage massenkompatibel; und mit der bärtigen Drag-Queen Conchita Wurst demonstrierte er 2014 beiläufig, dass nicht nur Europas, sondern auch seine Toleranzgrenzen weiter geworden sind. Er ist, was man den Wolf im Schafspelz nennt, und schafft ganz nebenbei, woran sich Politiker/innen und andere Meinungsmacher/innen die Zähne ausbeißen: Bewusstseinswandel.

Dieses Jahr kommt der Angriff aufs Kollektivbewusstsein aus dem hohen Norden. Mit der Band Pertti Kurikan Nimipäivät (PKN) fordern die Finnen nicht nur die europäischen Hörgewohnheiten heraus, sondern demonstrieren meisterhaft, wie man die schöne Rede von der inklusiven Gesellschaft mit Leben füllt: Indem man zu Punkrock von 'ganz normalen Typen mit einer geistigen Behinderung' (Bassist Sami Helle) Pogo tanzt. Das ist Punk. Und das rockt.

In diesem Sinne ein horizonterweiterndes Wochenende und die obligatorische Liste.

Montag, 9. März 2015

Ein Blick hinter den Familienbetrieb



Christian Hanne ist nicht nur Gründer und Geschäftsführer einer internationalen Kommunikationsberatung, sondern auch eines mittelständigen Familienbetriebs. Über letzteres schreibt er seit 2011 unter gleichnamigen Titel und hat sich damit einen Namen im deutschsprachigen 'Online-Familien-Clan' (Eltern-Blogosphäre) gemacht. Aktuell beschäftigt das Thema 'Saft-Fasten' den Familienbetrieb – angekündigt als 'Tragödie in fünf Akten'. Ich bin gespannt! Je nach Verlauf werde ich es den beiden Geschäftsführer/innen gleichtun – wenn dann allerdings erst nach Ostern, also nach erfolgtem Umzug (auf Saftbasis steh ich das nicht durch). 

Im heutigen Montagsinterview geht es jedoch weder ums Fasten noch um Säfte und auch Tragödien spielen keine Rolle, so man den heiß ersehnten, aber bisher unerfüllten Lottogewinn-Wunsch außen vor lässt. Unser Gespräch dreht sich vielmehr um 'Elternblogs' und die Frage, wie Elternbloggen und internationale Kommunikationsberatung zusammenpassen. Außerdem habe ich den international erfahrenen Kommunikationsberater nach der Bedeutung von Elternblogs im gesellschaftlichen Familiendiskurs und zum Stand der Elternlobby in diesem Lande befragt. Bei all dem spielt Schokolade eine wichtige Rolle. 

Vielen Dank, lieber Christian, für das so amüsante wie anregende Gespräch, mit dem ich allen einen ebensolchen Start in die neue Woche wünsche.
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Samstag, 7. März 2015

MiMAMARKT: Bücher, Bücher, Magazine


Wir haben die Bücherregale aussortiert. Die schönsten Wohn- und DIY-Bücher gibt es im MiMAMARKT. Viel Spaß beim Stöbern.

Donnerstag, 5. März 2015

KW 10 #Jobeingewöhnung. Oder: Brett vorm Kopf für Anfänger und Fortgeschrittene

Von hier ist keine Hilfe mehr zu erwarten...
Es heißt, man werde starrsinniger mit dem Alter. Von Starrsinn will ich noch nicht sprechen, aber flexibel ist was anderes. Knapp drei Wochen bin ich jetzt in meinem neuen Job und zu behaupten, ich sei drin, wäre vermessen. Ich bin angekommen. Ja. So im Sinne von 'mental gelandet' und 'emotional geankert'. Aber mental und emotional durchdrungen habe ich meine neue Arbeitswelt noch längst nicht. Optimistisch betrachtet könnte das im Frühsommer der Fall sei. Konservativ prognostiziert Herbst. Im Vergleich dazu: Kinder brauchen für die Krippeneingewöhnung durchschnittlich zwei bis vier Wochen. So viel zum Thema 'Flexibilität und Alter'. Nicht nur Körper rostet mit den Jahren ein, auch der Geist wird unbeweglicher. Die Hirnforschung weiß das schon lange; ich erlebe es gerade hautnah.

Eine 'Jobeingewöhnung' ist Intensivfitness fürs Hirn und wie Bauch-Beine- oder Po-Training ein Entwicklungsprozess. Im Unterschied zu Letzterem verläuft er jedoch nicht linear (also nix von wegen 'In-drei-Wochen-zum-Michelle-Obama-Oberarm), sondern zirkulär, was bisweilen recht frustrierend ist: Das Gefühl 'Brett vorm Kopf' ist nämlich auf Fortgeschrittenen-Niveau um keinen Deut besser an als im Anfängerstadium. Im Gegenteil!

Ich habe bisher rund vier Eingewöhnungsphasen durchlaufen. Gestartet bin ich mit dem Gefühl seliger Ahnungslosigkeit. Das wurde quasi umgehend von der Phase 'Brett vorm Kopf I' abgelöst: Hä, wie jetzt? Einige Tage später meinte ich dann langsam Strukturen, Abläufe, Routinen und Gesichter erkennen zu können. Ein gutes Gefühl. Vergleichbar mit dem Stolz, der aufkommt, wenn man untrainiert fünf Kilometer läuft und meint, damit die eigene Natur erfolgreich überlistet zu haben. Dass das ein Trugschluss ist, weiß man spätestens am nächsten Morgen, wenn man mit einem Muskelkater, der sich gewaschen hat, vorm Treppenabsatz steht und sich fragt, wie man ohne ambulante Hilfe ins Erdgeschoss kommt (jetzt noch einmal Treppengeländer-Surfen können). Nicht viel anders verhält es sich beim Hirnjogging: Mein Heureka-Erlebnis wurde wenig später von der schmerzhaften Erkenntnis abgelöst, dass knapp daneben auch vorbei ist.
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Vernagelt



Gegenwärtig befinde ich mich in der Ich-habe-verstanden-dass-ich-nichts-verstehe-Phase, also 'Brett vorm Kopf für Fortgeschrittene'. Sie folgte unmittelbar auf mein zweites Heureka-Erlebnis, als ich glaubte zu verstehen, wie man bei neuem Arbeitgeber an eine 'kommunikative Herausforderung' herangeht – Probleme gibt es in meiner Branche ja nicht. Eigentlich nicht mal Herausforderungen. Nur Themen. Ein logischer Kurzschluss in meinen Augen, denn wo kein Problem ist, braucht es keine Lösung. Beratung lebt aber nunmal vom Verkauf von Lösungen... Aber egal. Das ist eine andere Baustelle.

Ich wähnte mich also kurz verstanden zu haben. Doch mein erstes Konzeptpapier lehrte mich sogleich eines Besseren: So nicht. Wie aber dann? Wer zehn Jahre in Dialog- und Beteiligungsprozessen gedacht hat, steht bei einem klassischen Kampagnen- oder PR-Konzept erstmal auf dem Schlauch. Das ist mein aktuelles Thema, um nicht zu sagen Problem und ich bin gespannt, was auf seine Lösung folgt. Vielleicht 'Brett vorm Kopf professionell'.

In diesem Sinne schon heute ein brettfreies Wochenende und das obligatorisch Gelistete:

Mittwoch, 4. März 2015

In Bowies Radspuren VII: Kunst, Kunst, Kunst – und Schluss!





Die Potsdamer Straße ist Phänomen: Man kann tagelang auf der Stelle treten und kommt trotzdem immer woanders an: bei Berlins Neubauwahnsinnigen oder seinen Hausbesetzern, bei den Junkies, Huren und Zuhältern oder auf- und untergehenden Traditionsunternehmen, in neuen Kneipen, alten Bars und bunten Bücherläden oder bei Malern, Mädchenschulen und Musiklegenden. Kaum eine andere Straße Berlins hat so viel Geschichte und Geschichten. Sie wuchern und wurzeln – gestapelt, gepresst und geschichtet – in Zeit und Raum. Insofern ist es eigentlich unmöglich, dass die Erkundung der Straße jemals zu einem Ende kommt. Doch heute nun ist es soweit: Die Tour in oder auf Bowies Spuren endet.

Die letzten 650 Meter beginnen an der Pohlstraße und enden 'Am Karlsbad'. Dort nämlich trennen sich Bowies und mein Weg. Der Popheld bog hier – laut Tobias Rüther – rechts ab Richtung Köthener Straße zu den Hansa Tonstudios. Mein Weg hingegen führt weiter geradeaus quer durch das so genannte Berliner Kulturforum, diesem Paradebeispiel missglückter Städteplanung, zum Potsdamer Platz. Was als kunstreiches Gesamtensemble gedacht war, ist ein zusammenhangsloser Flickenteppich aus großartigen Einzelarchitekturen (Neue NationalgaleriePhilharmonieStaatsbibliothek etc.) und mehrspurigen Schnellstraßen, für den bis heute kein überzeugendes Gestaltungskonzept vorliegt. Doch zurück zum Ausgangspunkt.

Nicht nur die Pohlstraßein der der letzte Tourenabschnitt endete, hat sich in den letzten fünf Jahren zum Kunstmekka gemausert. Auch auf der Potsdamer Straße haben sich zahlreiche namhafte Galerist/innen niedergelassen. Einer von ihnen ist Alfons Klosterfelde.