Freitag, 5. September 2014

KW 36 #Pause

Alle Fotos: Ufostudios im Wedding
Der September verspricht dicht zu werden. Um nicht zwischen Stamm und Borke zu geraten, lege ich eine kleine Blogpause ein und verabschiede mich mit dieser Wochenschau für ein Weilchen ins analoge Leben.

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Dienstag, 2. September 2014

M i MA zügelt: Von Landsatelliten und Mikro-Häuschen

Topanga Cabin by Mason St. Peter

Kaum sind die Planungen für die Wohnung abgeschlossen, fange ich schon wieder an zu planen – oder besser zu träumen. Von einem kleinen Haus auf dem Lande, in das ich fliehen kann, wenn ich der Großstadt einmal überdrüssig bin. Ein Landsatellit sozusagen. Er muss gar nicht groß sein. Ein Bett, ein Tisch, eine Kochstelle – das würde vollkommen ausreichen. Auf der Suche nach einem solchen 'Mikro-Landhaus' habe ich ganz wunderbare Beispiele gefunden. Die 'einfachen' mag ich am liebten. Sie erinnern mich an das Spielhaus, das mein Vater für uns Kinder zimmerte. Heute hätte ich große Lust, mir selbst so ein Häuschen zu bauen. Und ihr?

Montag, 1. September 2014

Ein Blick hinter No Robots Magazine


Wir gleichen ihnen zwar immer mehr – 'wir reden nicht mehr, wir kommunizieren digital' –, aber wir sind noch keine: Roboter. Das findet zumindest Larissa, und taufte ihr neues Blog als Reminiszenz an die so visionäre wie musikgeschichtlich prägende Band Kraftwerk No Robots Magazin. Dort schreibt sie für 'alle, die hören, sehen, sprechen, denken, fühlen, schmecken und machen können' über Filme, Musik, Bücher, über Leid und Freud des Alltags, aktuelle Projekte, lange Träume und alberne Fantasien. Ihr Stil und ihre Perspektive auf die Dinge gefallen mir: frech, heiter, klug. Und ich wollte mehr erfahren über die gebürtige Nordrhein-Westfälin, die seit 2010 in München lebt, Literaturwissenschaften studiert hat, als Redakteurin arbeitet und schöne Bilder, Skandinavien, anregende Gespräche und Herausforderungen liebt. Also habe ich nachgefragt.

In unserer Montagsrunde erzählt sie, welche Art Herausforderungen sie liebt, was das Literaturstudium mit ihrer Bücherliebe gemacht hat, welche Filme sie besonders schätzt und wem ihr musikalisches Herz gehört. Damit wünsche ich euch einen kurzweiligen Start in die neue Woche und sage Danke, Larissa, für das inspirierende Gespräch.
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Samstag, 30. August 2014

... zwischen Vorfreude, Unglauben und vorauseilendem Heimweh. (M)Ein Interview bei solebich


Vor ein paar Tagen ist ein Interview mit mir bei solebich erschienen. Vielleicht habt ihr Lust vorbeizuschauen? Es dreht sich um Berlin, das Berliner Zimmer, den bevorstehenden Umzug und anderes mehr mit vielen Fotos von Nicola Holtkamp und mir. 

Freitag, 29. August 2014

KW 35 #Berlin ist dazu verdammt, immerfort zu werden und niemals zu sein (Karl Scheffler)

Der Sanierungsplan für das Gebiet Schöneberg-Bülowstraße aus dem Jahr 1974. Die Zahlen zeigen die Jahre an, in denen der Abriss geplant ist bzw. vollzogen wurde. Rot markiert ist der Seitenflügel, in dem die Legende vom brennenden Künstlerhaus spielt. Obgleich nicht zum Abriss geplant, verschwand er 1985/86.
Neben mir stapeln sich Bücher über und Dokumente aus Schöneberg. Stadterneuerung 1974, Sanierungsgebiet Schöneberg-Bülowstraße 1976, 1980, 1984 ... ich habe den Seitenflügel endlich gefunden, in dem einst die Künstler/innen gewohnt haben müssen. Es gab ihn also wirklich (siehe rote Markierung). Und auch die wahre Geschichte hinter dem Mythos vom brennenden Künstlerhaus schält sich nach und nach heraus. Ich grabe weiter. Das Graben ist – wie die Entwicklung der Berlins – eine Achterbahn.

Seit ihrem vergleichsweise kurzen Bestehen [als Groß- und Hauptstadt existiert Berlin erst seit 1701] durchlebt die Stadt einen ständigen Wechsel zwischen Boom und Schrumpfung, angesagt und abgemeldet. Und so hat die Aussage des Kunstkritikers und Publizisten Karl Schefflers aus dem Jahr 1910 bis heute nichts an ihrer Aktualität eingebüßt:

'Berlin [ist] dazu verdammt: immerfort zu werden und niemals zu sein.' 
aus: Berlin – ein Stadtschicksal, Karl Scheffler, 1910

Ich folge diesem Werden durch die Fenster der Bülowstraße 90 und schwanke dabei zwischen Staunen, Erleichterung, Optimismus und Sorge. Dass die Vision der 'autogerechten Stadt' beispielsweise nicht Wirklichkeit wurde, erleichtert mich sehr. Die aktuellen Entwicklungen am Immobilienmarkt hingegen weisen manch beunruhigende Parallele zu vergangenen Zeiten auf. So etwa zu Westberlin in den 1970er Jahren. Damals wie heute trieben Spekulationen die Mieten in die Höhe und die Mieter/innen aus ihren Häusern. Der Spiegel berichtet 1973 über die dubiosen Geschäfte mit dem Betongold; die ARD fragt 2014 Wem gehört die Stadt?. Damals formierte sich Widerstand: Ende der 1970er besetzten junge Leute die leerstehenden Häuser, was zu einem Umdenken in der Stadtentwicklungspolitik führte. Heute gibt es keine leerstehenden Häuser, aber auch manche Gegenbewegung. Ob sie etwas bewirkt und wohin sie führt, lässt sich noch nicht absehen.  
Und mit diesem Wochenrückblick wünsche ich allen ein schönes Wochenende!

Die Stadtautobahn über Wilmersdorf.

Mittwoch, 27. August 2014

M i MAs Kladden: 'Schöneberg ist mein Berlin.' Eine Zeitreise mit Stadtfotograf André Kirchner

Fotos: André Kirchner
André Kirchner. Ein Name, ein Kontakt, der mir im Zuge meiner Recherchen zur Bülowstraße 90 zugerufen wird. Er habe dort ein paar Jahre gelebt und könne mir vielleicht mit seinen Erinnerungen weiterhelfen. Obgleich wir im selben Kiez wohnen, nur wenige Häuser voneinander entfernt, bin ich ihm noch nie begegnet. Wir sind in seinem Atelier verabredet. Bevor ich losgehe, schaue ich mir noch schnell seine Website an. Menschenleere Stadtansichten. Steinerne Momente, die in formaler Strenge aus dem Berliner Leben erzählen: Eine Curry-Bude vor der Neuen Kirche bringt die Westberliner Mentalität in einem Bild auf den Punkt. Ein einsamer Trabbi vor einem vermauerten Industriegebäude im grellen Sommerlicht erinnert daran, dass die Planwirtschaft zwar am Ende, aber die Zukunft noch offen ist, damals, knapp eineinhalb Jahre nach der Wende. 

Erster Hinterhof, Seitenflügel, Erdgeschoss. Ich bin neugierig und laufe erst einmal weiter. Im zweiten Hinterhof steht die alte Seifenfabrik von L. Carpentier aus dem Jahre 1880. Seife wird hier schon lange nicht mehr hergestellt. Stattdessen findet man hier die Berliner Mischung aus kreativem Kleingewerbe und kleinen Handwerksbetrieben. Ich klingle. Es summt. Ein typischer Treppenaufgang. André Kirchner öffnet – und ich falle direkt mit der Tür aus der Zeit.

Das Atelier ist eine Zeitmaschine, ein Prisma, in dem sich die vergangenen Jahrzehnte brechen. Da steht das Sofa aus der Bauhaus-Ära. 'Ich hatte es schon oft für viel Geld verkaufen können', erwidert Kirchner meinen neugierigen Blick. Ein Architektensofa, von dem tatsächlich mehrere hergestellt wurden. Kein Prototyp, wie ich zunächst annehme. Gegenüber ein Gründerzeit-Tisch mit Gaststättenstühlen aus der Jugendstil-Epoche; Schubladenschränke aus den 1930er Jahren und Kisten und Koffer aus allen Zeiten. Er bittet mich in seinen Arbeitsraum und bietet mir ein Glas Wasser an. Umgeben schwarzen Aktenordnern nehmen wir am schweren, blauen Schreibtisch Platz, der früher einmal im Ullsteinhaus stand. Warum ich M i MA 'Lifestyle-Blog' nenne, fragt er mit offenkundigem Unbehagen.
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Foto: André Kirchner

Dienstag, 26. August 2014

M i MA zügelt: Ein Haus in Schöneberg

Ein Haus in Schöneberg. In wenigen Jahren wird es – da bin ich mir sicher – nicht mehr wiederzuerkennen sein. Schön wird es sein, sauber und grün. Die Mieter werden andere sein, und die in Klein- und Kleinstwohnungen parzellierten Etagen wieder großzügig zusammengelegt. Bevor die Sanierungswelle das Haus erfasst, will ich seinem Jetzt-Zustand in meinen 'Schöneberger Notizen' festhalten. Belle tristesse.
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Montag, 25. August 2014

Ein Blick hinter belkabelka [mit Verlosung]

Gaëlles Einrichtungskonzept ist so simple wie praktisch: 'Alles hingestellt ohne großes Konzept, einfach nur weil es schön ist und da war.'
Wenn sie aufeinandertreffen, passiert vermutlich das: Der Lärmpegel schnellt von 0 auf 100 dB(A) – was irgendwo zwischen Kreissäge und Disko liegt, die wohlsortierte Ordnung verwandelt sich innert Sekunden in dynamisches Chaos, die Luft vibriert, der Boden auch, und die Musen tanzen Pogo. So jedenfalls stelle ich mir das Zusammentreffen dieser zwei Frauen mit ihren insgesamt sieben Söhnen vor. Bisher habe ich sie nur einzeln erlebt, aber schon das war jedes Mal Inspiration an die Schmerzgrenze. Die Rede ist von Gaëlle und Ocka, den beiden Frauen hinter dem KinderKunstLaden belkabelka, was aus dem Russischen übersetzt EichhörnchenEichhörnchen heißt. 

Das Motto des 'doppelten Eichhörnchens' lautet: Kauft Kindern Kunst!. Was den Unterschied macht zwischen Kunst und Dekoration, das erfahrt ihr im heutigen Montagsinterview. Außerdem reden wir über das Leben allein unter Männern, über Kinderzimmergestaltung und Zukunftspläne. Auch etwas zu gewinnen, gibt es heute wieder. Ocka und Gaëlle verschenken:

Hinterlasst einfach bis Sonntag, den 31. August 0.00 Uhr eine Nachricht (mit Angabe eurer E-Mail-Adresse!).  Die Gewinnerinnen sind: Liv (Mini-Buch), Kathrin (ABC-Poster) und Sonja (Venezianer). Herzlichen Glückwunsch!

Vielen lieben Dank, ihr zwei, für das erfrischende Gespräch, mit dem ich allen einen guten Start in die letzte Augustwoche wünsche.
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Freitag, 22. August 2014

KW 34 #Zeitreise. Oder: Schreiben als #Heimatverlust

Der Blick aus André Kirchners Atelier


Seit einigen Wochen arbeite ich nun schon an dem Artikel über die Bülowstraße 90. Was als kleines Portrait gedacht war, entwickelt zu einer Art Kulturgeschichte Schönebergs durch die Fenster der Bülow 90, und meine Arbeit zu einer Zeitreise. Ich falle förmlich durchs Jahrhundert und entfremde mich dabei immer mehr von dem Ort, an dem ich – um es mit Vilem Flussers Wort zu sagen – 'beheimatet' bin.

Seitdem ich in der Vergangenheit grabe, sehe ich meine 'Heimat' mit anderen Augen: Das Haus, das gestern noch ein schöner Altbau war, ist heute das ehemals besetzte Haus, das nur knapp der Abrissbirne entkam. Im Spielplatz um die Ecke erkenne ich plötzlich den ehemaligen Standort von Schönebergs berühmt-berüchtigter Absturzkneipe und auf dem öden Abschnitt zwischen Bülowstraße und Nollendorfplatz sehe die Künstlerboheme der 1920er flanieren. Alles atmet Geschichte, nichts ist mehr gewöhnlich. Genau dieses Gewöhnliche aber macht nach Flusser 'Heimat' aus. Und so geriert der Recherche- und Schreibprozess zu einer Art Heimatverlust.
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  • GESEHEN: Bilder aus Schöneberg in den 1979 und 80er Jahren
  • GEHÖRT: Berlin [Ideal]
  • GELESEN: Vilem Flusser 'Wohnung beziehen in der Heimatlosigkeit'
  • GETROFFEN: viele spannende Menschen mit langen Schöneberg-Erinnerungen
  • GESUCHT: die wahre Geschichte des brennenden Künstlerhauses [bisher erfolglos]
    Der Legende nach soll es im Block Bülow-, Kurfürsten-, Froben- und Potsdamer Straße einst einen von Künstler/innen bewohnten Seitenflügel gegeben haben. Er ist der 'Kahlschlagsanierung' Ende 1970/Anfang 1980 zum Opfer gefallen. Kurz bevor die Abrisskräne kamen, haben die Bewohner/innen ihr Zuhause 
    in einer spektakulären Kunstaktion buchstäblich in Brand und unter Wasser gesetzt. Das Haus wurde geflutet, es wurden schwimmende Feuerinseln installiert, Musik gemacht und performt. Ein Spektakel, das eindrücklich gewesen sein muss, nur erinnert sich niemand daran. Hat einer von euch davon gehört? Oder weiß jemanden, der es wissen könnte?
  • GETAN: recherchiert, recherchiert, recherchiert
  • GEWÜNSCHT: mehr Zeit zu haben zum Recherchieren
  • GEKLICKT: Marcus Kluges Erinnerungen an Westberlin
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Habt ihr noch Erinnerungen, Bilder, Kontakte aus Berlin-Schöneberg, die die Kulturgeschichte Schönebergs durch die Fenster der Bülow 90 komplettieren? Ich freue mich über J E D E S Mosaiksteinchen, und sei es noch so klein!

Ein schönes Wochenende!
Ein Hinterhof in Schönberg | Vorbergstraße 1

Dienstag, 19. August 2014

M i MA zügelt: Möbel 'nach ihren Funktionen und natürlichen Zwängen'. dessaudesign

Die module Sitzlandschaft SL1 in Grau




Als ich ihre Möbel und Wohnaccessoires sah, war ich sofort Feuer und Flamme, denn die Produkte von dessaudesign sind nicht nur schlicht-funktional, sondern auch anmutig schön. Hinter dem Potsdamer ZweiFrauen-Unternehmen steht die gelernte Feinwerktechnikerin und studierte Designerin Roswitha Buechting. Seit 2009 entwirft sie mit Leidenschaft und großer Verehrung der Bauhaus-Meister/innen leichte, elegante Einrichtungsgegenstände. Unterstützt und bereichert wird sie dabei demnächst von der jungen Architektin Lydia Kaiser. In unserem kleinen Gespräch verrät sie uns heute, worauf wir noch gespannt sein dürfen. Außerdem erzählt sie über ihre Beziehung zum Bauhaus, wie es zur Gründung von dessaudesign kam und wie sie selbst wohnt.

Vielen lieben Dank, Frau Buechting, für das spontane und anregende Gespräch. Und euch viel Freude bei der Lektüre meiner Neuentdeckung. Kanntet ihr dessaudesign schon?