Freitag, 22. Mai 2015

KW 21 #Schreiben

Foto: Stephan Porombka [mit Dank fürs Zeigen-Dürfen – eine Goldigkeit]
Die letzte Woche stand im Zeichen des Schreibens, dieser wundersamen Tätigkeit, über die ich immer wieder staune. Was tut man eigentlich, wenn man schreibt? Dass es mehr ist als das bloße Aufzeichnen von Buchstaben und Zeichen, liegt auf der Hand. Schreibforscher/innen sprechen von einem "umfassenden kognitiven und psychomotorischen Prozess", der sich in drei wesentliche Phasen einteilen lässt: Planen, Formulieren, Überarbeiten. Quelle Das trifft´s für mich nicht ganz. Weder erlebe ich das Schreiben als linearen Prozess, noch erschöpft es sich für mich in den drei Handlungen. Es ist eher eine kreisende Bewegung, wobei's beileibe nicht immer rund läuft. Mal geht´s vor, dann wieder zurück, rauf und runter, kreuz und quer, mit vielen Unterbrechungen. Während des Formulierens, kommen neue Gedanken, die zum Umplanen und Überarbeiten und Neuformulieren verleiten – oder zum Umräumen, zum Kaffeekochen, Fensterputzen oder Spazierengehen. Auch das ist Teil des Schreibprozesses, wie Textprofessor Stephan Porombka in der "Ökologie des Kreativität" am Beispiel Goethes demonstriert. Doch was ist Schreiben jenseits eines Prozesses?

Eine Form der Lebenskunst, sagt Porombka und hat dabei das literarische Schreiben im Blick, eine Lebenskunst, die aufwendig und fortlaufend geübt werden muss und die man durchaus auch professionalisieren kann. Quelle Für den Schriftsteller Bodo Kirchhoff ist Schreiben vor allem "Handwerk plus eigenem Abgrund". Quelle Seine Kollegin Verena Stefan bezeichnet es als "Arbeit an der Sprache". Quelle Eine Arbeit, in der man sich ganz wunderbar verlieren kann wie die Kinderbuchautorin Cornelia Funke: "Das Schreiben löst die Illusion vom individuellen Sein auf und man wird Teil eines Ganzen. Das liebe ich am Schreiben: Cornelia ist mit einem Mal ganz viele." Quelle 

Ich bin keine Schriftstellerin. Ich habe keine Figuren, mit denen ich mich vervielfachen und auflösen könnte und dennoch schreibe ich gerne. Es erweitert, um es mit den Worten des Philosophen Ludwig Wittgenstein zu sagen, die Grenzen meiner Welt.* Schreibend erschließen sich Zusammenhänge, tun sich ungeahnte Möglichkeiten und neue Perspektiven auf, entstehen Ideen und Bilder. So wird mit jedem Satz das Denken ein wenig beweglicher und der Horizont ein Stückchen weiter. Das liebe ich am Schreiben. Was liebt ihr daran – oder auch gerade nicht?

Ein wunderbar weites Wochenende wünsche ich mit dem obligatorisch Gelistetem.
*von Ludwig Wittgenstein stammt der berühmte Satz: "Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt."

Dienstag, 19. Mai 2015

M i MA zügelt: Baden im dunklen Grau

Die Gestaltung unseres Badezimmers war – der ein oder die andere von euch erinnert sich vielleicht – ein rechter Eiertanz: ein großes Bad oder lieber zwei kleinere? Dusch- oder Wannenbad oder beides?Ein oder zwei Waschbecken? Hell oder dunkel? Und so fort. Nach langem Hin und Her, Vor und Zurück haben wir uns schließlich entschieden. Für ein großes, dunkles Duschbad mit zwei Waschbecken. Mag sein, dass wir diese Entscheidung manches Mal bereuen (wenn das Mädchen pubertiert zu Beispiel), aber bisher bin ich sehr froh damit. Duschen im großen dunklen Grau – das ist ein bisschen wie Hamam.
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Samstag, 16. Mai 2015

KW 20 #Maimitte

Olle Eksell, byLassen, Fabbian, LC4
(M)Ein neuer Lieblingsplatz unter Olle Eksells Augen und der Lichtgestalt von Benjamin Hubert (Fabbian).



Heute keine Reflexionen, keine Glossen, kein Statusbericht, sondern einfach nur die obligatorische Liste und die besten Wünsche für ein sonniges Wochenende mitten im Mai.

Mittwoch, 13. Mai 2015

Fühsommerwunschstücke

Nach langer Zeit hatte ich wieder einmal Lust auf "Modeschauen". Vielleicht war es das Interview mit Susi aka Texterella, vielleicht eine spontane Laune. Meine Wunschstücke passen zum diesjährigen Frühsommer, der sich nicht so recht entscheiden kann: heute 28°C, morgen 14°C und übermorgen 20°C.  Das hier geht fast immer.

Dienstag, 12. Mai 2015

M i MA zügelt: ... eigentlich

Eigentlich wollte ich heute über ein großes graues Badezimmer schreiben. Aber nachdem was ich eben sah, ist mir danach nicht mehr zumute. Auf den ersten Blick war ich irritiert: Was ist das für ein merkwürdiger Sichtschutz, dachte ich. Doch dann sah ich das Einschussloch und wusste: Das ist kein Sichtschutz, das ist eine zerborstene Scheibe. Es muss gestern nacht geschehen sein. Ob mit einem Stein oder einem Wurfgeschoss, weiß ich nicht und es ist letztendlich auch egal. Tatsache ist: Die Scheibe ist kaputt -- und nicht nur das. 

Ich weiß nicht, wer die Täter/innen waren und was sie angetrieben hat. Aber wenn es als Attacke auf das vermeintlich falsche Leben resp. System motiviert war, so war´s ein Volltreffer. Denn mit dem Glas ist zumindest für den Moment auch der Glaube zu Bruch gegangen, dass wir hier friedlich mit- oder wenigstens nebeneinander leben könnten. Das ist keine Kleinigkeit. 

"Eine Gesellschaft, der man vertraut", schreibt Carolin Emcke, in der SZ vom Wochenende, "ist zunächst einmal eine, in der man nicht erwarten muss, überfallen und angegriffen zu werden." Heute früh hat sich meine Erwartungshaltung verändert...


PS: Wir sind nicht unmittelbar betroffen. Zerschossen wurde die Scheibe unserer Nachbarn, eine junge Familie mit einem kleinen Kind.

Montag, 11. Mai 2015

Ein Blick hinter M i MA (mit Texterella)

Foto: Antje Kröger
Der erste Blick im Monat Mai fällt etwas anders aus. Statt hinter die Fassade eines Blogs zu blicken, lasse ich mir heute selbst in die Karten schauen – und das zu einem Thema, zu dem ich bisher nicht viel gesagt habe und zu sagen hatte: Mode und Beauty. Susanne aka Texterella hat mich im Rahmen ihrer großartigen Interviewreihe "Frauen ab 40/50/60" zu meiner Einstellung zu Mode, Schönheit und Alter befragt. Und so könnt ihr heute erfahren, wie es sich damit verhält, wer es geprägt und wie es sich verändert hat. 

Danke, liebe Susi, für die Einladung zum Interview. Es war spannend und hat Spaß gemacht, über mein Verhältnis zu Mode und Schönheit nachzudenken und Worte zu finden. In diesem Sinne einen guten Start in die nächste Maiwoche! Hier geht´s zum Interview.

Freitag, 8. Mai 2015

KW 18, 19 #Ankommen

Zwei Wochen Friedrichshain: Noch bin ich weit davon entfernt, den Bezirk zu kennen. Ich sammle Eindrücke und forme daraus Bilder. So schält sich nach und nach (im ständigen Abgleich mit Schöneberg) 'mein Friedrichshain' heraus.

Friedrichshain – so scheint es mir – ist dichter, voller, quirliger, jünger, lauter, 'verrückter' und 'roher'. Es gibt Orte, da wirkt es so 'groß und dreckbespritzt' wie das Berlin, in das Annemarie Schwarzenbach 1931floh. Dazwischen geht es experimentell und subversiv wie in den 1990ern und zugleich so neubürgerlich wie in Prenzlauer Berg zu. Friedrichshain kann hipp und schön sein, schräg und fröhlich, wild und entschlossen, zugedröhnt und entgiftet, vegan und Paleo, politisiert und gleichgültig. Der Bezirk ist ein Potpourri der Lebensstile. So mein erster Eindruck. Ich bin gespannt, wie er sich verändert – und wie die Bezirkskenner/innen unter euch das sehen.

Donnerstag, 30. April 2015

M i MA isch gzüglet: Zeit der Aneignung

Esstisch, Eames Chairs, Sideboard, stocubo, Normann Copenhagen
Erste Impressionen: der neue Essplatz
Fast zwei Jahre hat es gedauert. Nun ist es soweit: 'M i MA isch gzüglet[= M i MA ist umgezogen). Noch ist alles neu: Die Bewegungen sind ungewohnt, die Blicke überraschend, die Geräusche, Gerüche und Klänge unbekannt.

Ich mag diese Phase, in der aus einem fremden Ort ein Zuhause wird. Man nimmt den Raum so intensiv wahr. Setzt sich ins Verhältnis zu ihm, vermisst und erspürt ihn in all seinen Dimensionen, setzt Orientierungspunkte – optisch, akustisch, haptisch, bis man ihn die Lichtschalter ohne Hinsehen findet, die Wege im Schlaf wandelt und die Geräusche ohne Hinhören verortet. Dann ist man angekommen, hat sich den fremden Ort zu eigen gemacht.

Doch bis dahin dauert es noch eine Weile. Noch ist die Zeit der Aneignung. Und dann ist da ja auch noch der bisher weitgehend unbekannte Kiez, den es zu entdecken und erkunden gilt...
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Küche, Normann Copenhagen, Olle Eksell, Eames, Eiermann
Erste Impressionen: die neue Küche
Artek Bench, Schiefergrau, Bad
Erste Impressionen: das dunkelgraue Bad

Freitag, 24. April 2015

KW 17 #züglet


K.O., aber froh. So könnte das Motto der vergangenen Woche lauten, denn es ist geschafft: 'M i MA isch gzüglet'.* Noch ist alles neu und fremd. Ein bisschen wie Ferien, wären da nur die entsprechende Zeit und Musse. Sind sie aber nicht. Darum auch nur ein flüchtiger Blick zurück mit guten Wünschen fürs letzte Aprilwochenende.

*schweizerdeutsch = ist umgezogen

Freitag, 17. April 2015

KW 16 #Wortlisten. Oder dem eigenen Können niemals trauen

Collage: 'Schlafender Mann' (c) Ieva Jansone
'Unter all den beeindruckenden Texten von Susan Sontag sind es diese kleinen Listen, die mich besonders berühren. ... Als ob sie Angst hätte, ohne fleißiges Üben könnte der Quell der Worte versiegen, als würde mit der Zeit nur noch ein kümmerliches Quantum an Begriffen übrig bleiben. ... 

Sie erzählen von der Tugend des Lernens, die damit beginnt, sich des bereits Gelernten niemals sicher zu fühlen. Ganz gleich wie erfahren oder erfolgreich, der eigenen Technik oder Routine ist nicht zu trauen. Jede Tätigkeit, jede Praxis wird so auf die Probe gestellt. ... 'Der Klang ist weg. Man muss ihn immer wieder neu erfinden.' (Daniel Barenboim). ... 

Aber die Wortlisten Susan Sontags verweisen auch noch auf etwas anderes: die welterschließende Funktion der Sprache.' 

aus: Wortschatz von Carolin Emcke